Strategie & Positionierung9 Min. Lesezeit

Infografik: eine KI-Antwort auf die Frage „Welche Anbieter gibt es?“, verbunden mit vier zitierten Quellen. Daneben, ohne Verbindung, ein Kasten „eure Website“ mit dem Vermerk „nicht zitiert, weil nirgends genannt“.

Dieselben fünf Quellen, immer wieder. Und ihr seid nicht dabei.

Das Wichtigste in Kürze

KI-Antworten werden aus wenigen Quellen gebaut, nicht aus dem ganzen Netz. In den meisten B2B-Märkten sind es drei bis fünf Domains, die in der Mehrzahl der Antworten auftauchen: Vergleichsportale, Fachmedien, Branchenverzeichnisse und gelegentlich ein einzelner Wettbewerber mit einem sehr guten Vergleichsartikel. Wer dort nicht vorkommt, wird auch dann nicht genannt, wenn die eigene Website technisch einwandfrei ist. Die Liste dieser Quellen lässt sich in einer Stunde selbst ermitteln, ohne Werkzeug: zwanzig Kundenfragen stellen, je Antwort die zitierten Domains notieren, auszählen. Danach entscheidet die Reihenfolge über den Aufwand. Am schnellsten wirken die Quellen, in die man sich selbst eintragen kann, am langsamsten redaktionelle Fachmedien. Eine Ausnahme gibt es: Wo die eigene Seite selbst zitierfähig ist, weil sie Zahlen, Definitionen und Quellenangaben enthält, wird sie zur Quelle statt nur zum Bewerber. Das ist der einzige Hebel, der nicht von der Entscheidung eines Dritten abhängt.

Der Satz fällt in fast jedem zweiten Gespräch, fast immer wortgleich: „Wir haben festgestellt, dass die KI in unserem Markt immer wieder dieselben Portale zitiert, und wir kommen dort nicht vor.“

Das ist keine Wahrnehmungstäuschung. Es ist die Funktionsweise.

Warum sind es immer dieselben Quellen?

Eine klassische Suchmaschine gibt zehn Ergebnisse aus und überlässt dem Menschen die Auswahl. Ein Antwortsystem muss die Auswahl selbst treffen, bevor es antwortet, und es trifft sie unter Zeitdruck und mit begrenztem Platz. Typischerweise fließen drei bis acht Quellen in eine Antwort ein, und genannt werden am Ende drei bis fünf Anbieter.

Aus dieser Verknappung folgt ein Verhalten, das man von außen als Trägheit wahrnimmt. Ein System, das eine Frage nach Anbietern beantworten soll, greift zuerst zu Seiten, die diese Frage bereits in Listenform beantworten. Ein Vergleichsartikel mit zehn Anbietern, Tabellen und Preisen ist für diesen Zweck brauchbarer als zehn Anbieterseiten, die je über sich selbst schreiben. Dass er brauchbarer ist, hat nichts mit Qualität zu tun, sondern mit Form.

Dazu kommt ein zweiter Effekt: Was einmal zitiert wurde, wird eher wieder zitiert. Die Systeme bewerten Quellen unter anderem danach, wie oft anderswo auf sie verwiesen wird, und ein Portal, das in einem Markt die Vergleichsartikel schreibt, sammelt genau diese Verweise ein. Das Ergebnis ist eine kurze, stabile Liste.

Wie ermittelt ihr diese Liste?

In etwa einer Stunde, ohne Werkzeug und ohne Budget.

Schritt eins: zwanzig Fragen aufschreiben. Nicht Keywords, sondern ganze Sätze im Wortlaut, in dem ein Kunde sie stellen würde. Drei Sorten sind nötig. Kategorie-Fragen („Welche Anbieter für X gibt es im DACH-Raum?“), Problem-Fragen („Unsere Y funktioniert nicht mehr, wer hilft?”) und Vergleichsfragen („A oder B, was passt für ein Unternehmen mit Z?“).

Schritt zwei: jede Frage in ChatGPT und Gemini stellen. Die drei ziehen aus unterschiedlichen Quellen und antworten teils deutlich verschieden. Wer nur eines davon prüft, hält dessen Eigenheiten für Marktrealität.

Schritt drei: je Antwort die zitierten Domains notieren. Nicht die genannten Firmen, die Domains. ChatGPT im Suchmodus zeigt sie direkt an, bei Gemini stehen sie unter der Antwort.

Schritt vier: auszählen. Sortiert nach Häufigkeit. In fast allen Fällen entsteht eine sehr kurze Spitze und ein langer, unbedeutender Rest. Die Spitze ist eure Arbeitsliste.

Wer bereits ein Monitoring-Tool einsetzt, bekommt dieselbe Liste dort automatisch. Wie aus solchen Daten überhaupt Arbeit wird, steht in KI-Sichtbarkeit messen reicht nicht.

Werkzeug zum Weiterarbeiten

Wer sehen will, wie eine solche Liste in einem gemessenen Markt aussieht, findet im Report die Auswertung von 3.971 KI-Antworten über 30 Tage, darunter welche Quellentypen dort am häufigsten zitiert wurden.

→ KI-Sichtbarkeits-Report

In welcher Reihenfolge kommt ihr hinein?

Die Quellen unterscheiden sich weniger im Nutzen als im Aufwand und darin, wer die Entscheidung trifft. Danach sortiert sich die Reihenfolge.

Zuerst: Quellen, in die ihr euch selbst eintragen könnt

Branchenverzeichnisse, Anbieterlisten von Verbänden, Software-Verzeichnisse, regionale Wirtschaftskammern. Der Eintrag kostet zwischen zwanzig Minuten und einem Nachmittag, die Entscheidung trifft niemand außer euch, und die Wirkung ist innerhalb weniger Wochen messbar.

Wichtig dabei ist nicht die Menge, sondern die Übereinstimmung. Name, Adresse, Leistungsbeschreibung und Ansprechpartner müssen überall identisch sein, sonst entstehen für dasselbe Unternehmen mehrere unterschiedliche Beschreibungen, und ein Antwortsystem hat keinen Anlass, eine davon für richtig zu halten.

Danach: Vergleichs- und Bewertungsportale

Capterra, OMR Reviews, G2, Trustpilot, in Nischen die jeweiligen Fachportale. Aufnahme ist meist möglich, oft kostenlos in einer Basisvariante, und der Aufwand liegt weniger im Eintrag als in den Bewertungen. Ein Profil ohne Bewertungen taucht in Vergleichsartikeln nicht auf.

Der ehrliche Teil dieser Empfehlung: Das ist Arbeit an Kundenbeziehungen, nicht an Marketing. Fünf echte Bewertungen von zufriedenen Bestandskunden sind wertvoller als dreißig Profile ohne eine einzige.

Danach: eure eigene Seite als Quelle, nicht als Bewerber

Der einzige Hebel auf dieser Liste, bei dem niemand außer euch entscheidet, und deshalb derjenige, den wir zuerst mit Kunden angehen.

Eine Anbieterseite, die über sich selbst schreibt, ist für ein Antwortsystem eine Partei. Eine Seite, die eine Frage vollständig beantwortet, mit nachprüfbaren Zahlen, klaren Definitionen und Verweisen auf die Originalquellen, ist eine Quelle. Der Unterschied ist messbar: Die GEO-Untersuchung von Aggarwal und Kollegen hat in einem kontrollierten Versuch geprüft, welche Textänderungen den Anteil an KI-Antworten heben. Das Ergänzen von Zitaten und Quellenangaben brachte den größten Einzeleffekt, von 19,3 auf 27,2 Prozent, also rund 41 Prozent mehr. Eine unabhängige Auswertung über 55.936 Abfragen bestätigte den Zusammenhang für ausgehende Links auf externe Quellen.

Dazu kommt die Aktualität. Ahrefs hat rund 17 Millionen in KI-Antworten zitierte Adressen ausgewertet und fand, dass zitierte Inhalte im Schnitt 13,1 Prozent aktueller gepflegt sind als der Vergleichsbestand.

Praktisch heißt das: ein Vergleichsartikel, der auch Wettbewerber nennt, eine Untersuchung mit eigenen Zahlen, eine Definitionsseite zu einem Begriff eures Marktes. Alles drei sind Formate, die zitiert werden können, ohne dass ein System sich damit auf eine Partei festlegt.

Zuletzt: redaktionelle Fachmedien

Am wirkungsvollsten und am langsamsten. Die Entscheidung trifft eine Redaktion, der Weg führt über Fachbeiträge, eigene Daten oder ein Thema, das gerade gebraucht wird. Rechnet in Quartalen, nicht in Wochen, und beginnt nicht hier, solange die drei Punkte darüber offen sind.

Was ihr vorher prüfen solltet

Ein Punkt kommt vor der gesamten Liste, weil er sie andernfalls wertlos macht.

Wenn KI-Crawler eure eigene Seite nicht betreten dürfen, nützt jede externe Nennung nur der Hälfte: Das System liest euren Namen in einem Vergleichsartikel, kann aber nicht nachsehen, was ihr tatsächlich anbietet. Genau dieser Fall ist häufiger, als man annimmt, und er ist von außen unsichtbar. Cloudflare sperrt bekannte KI-Crawler seit Juli 2025 auf jeder neu angelegten Domain von sich aus und weitet das zum 15. September 2026 auf alle Bestandskunden im Gratis-Tarif aus. Die Sperre ist eine Netzwerkregel und steht in keiner robots.txt.

Ein zweiter, ebenso unsichtbarer Fall: ein nosnippet in den Robots-Angaben. Google nennt die Eignung für Textausschnitte ausdrücklich als Voraussetzung für AI Overviews und den AI Mode. Der Crawler kommt dann herein, liest alles, und darf nichts davon zeigen.

Beides prüft unser kostenloser KI-Sichtbarkeitscheck in unter einer Minute, ohne Anmeldung.

Was hier nicht hilft

Die Portale zu ignorieren und stattdessen mehr eigene Beiträge zu schreiben. Das ist die naheliegende Reaktion und sie greift zu kurz, weil sie den Verdrängungscharakter der Antwort übersieht: Solange der Vergleichsartikel des Portals die Frage beantwortet, wird er zitiert, unabhängig davon, wie viel ihr daneben veröffentlicht.

Auf eine llms.txt setzen. Google erklärt schriftlich, die Datei nicht zu lesen. Ahrefs hat 137.000 Seiten ausgewertet und fand, dass 97 Prozent der Dateien keinen Traffic bekommen. Sie kostet zehn Minuten und schadet nicht, aber sie ist kein Weg in eine fremde Quelle.

Bezahlte Platzierungen als Abkürzung. Manche Portale verkaufen Listenplätze. Was dabei entsteht, ist eine Nennung in einem als Werbung gekennzeichneten Umfeld, und die Systeme werten solche Abschnitte erkennbar anders. Prüft im Einzelfall, ob der bezahlte Platz überhaupt im redaktionellen Teil der Seite steht.

Wie Lilox das angeht

Wir beginnen mit der Quellenliste und nicht mit der Maßnahme, weil sonst Aufwand in Kanäle fließt, die in eurem Markt nichts entscheiden. Aus der Liste entsteht eine nach Aufwand sortierte Reihenfolge, und parallel dazu die Arbeit an der eigenen Seite, weil das der einzige Teil ist, der nicht von der Entscheidung eines Dritten abhängt.

Gemessen wird monatlich mit demselben Prompt-Satz, damit sich Wirkung von Zufall trennen lässt. Struktur, Zugänge und Dokumentation gehören am Ende dem Unternehmen.

Häufige Fragen

Warum zitiert ChatGPT in unserem Markt immer dieselben Portale?

Weil ein Antwortsystem die Auswahl selbst treffen muss, bevor es antwortet, und dafür Seiten bevorzugt, die die Frage bereits in Listenform beantworten. Ein Vergleichsartikel mit zehn Anbietern ist für diesen Zweck brauchbarer als zehn Anbieterseiten, die je über sich selbst schreiben. Dazu kommt ein Verstärkungseffekt: Was einmal zitiert wurde, sammelt Verweise ein und wird eher wieder zitiert.

Wie finde ich heraus, welche Quellen in meinem Markt zitiert werden?

Stellt zwanzig echte Kundenfragen in ChatGPT und Gemini und notiert je Antwort die zitierten Domains, nicht die genannten Firmen. Dann auszählen und nach Häufigkeit sortieren. Es entsteht fast immer eine sehr kurze Spitze aus drei bis fünf Domains und ein langer, unbedeutender Rest. Die Spitze ist die Arbeitsliste. Der Aufwand liegt bei etwa einer Stunde.

In welcher Reihenfolge sollten wir in diese Quellen hineinkommen?

Nach Aufwand und danach, wer entscheidet. Zuerst Verzeichnisse, in die man sich selbst einträgt, weil dort niemand außer euch entscheidet. Dann Vergleichs- und Bewertungsportale, wo der Aufwand weniger im Eintrag liegt als in echten Kundenbewertungen. Parallel dazu die eigene Seite zur Quelle machen, mit nachprüfbaren Zahlen und Verweisen auf Originalquellen. Redaktionelle Fachmedien zuletzt, weil dort eine Redaktion entscheidet und der Weg Quartale dauert.

Kann unsere eigene Website selbst zu einer zitierten Quelle werden?

Ja, und das ist der einzige Hebel, bei dem niemand außer euch entscheidet. Voraussetzung ist ein Formatwechsel: von Texten, die über euch schreiben, zu Texten, die eine Frage vollständig beantworten, mit nachprüfbaren Zahlen, klaren Definitionen und Verweisen auf die Originalquellen. In einem kontrollierten Versuch hob allein das Ergänzen von Zitaten und Quellenangaben den Anteil an KI-Antworten von 19,3 auf 27,2 Prozent.

Bringt es etwas, in möglichst vielen Verzeichnissen zu stehen?

Nein, entscheidend ist die Übereinstimmung, nicht die Menge. Name, Adresse, Leistungsbeschreibung und Ansprechpartner müssen überall identisch sein. Stehen für dasselbe Unternehmen mehrere unterschiedliche Beschreibungen im Netz, hat ein Antwortsystem keinen Anlass, eine davon für richtig zu halten. Fünf saubere, übereinstimmende Einträge wirken mehr als dreißig widersprüchliche.

Nadine Fraiss

Über die Autorin bzw. den Autor

Nadine Fraiss

Geschäftsführende Gesellschafterin · CEO & Founder

Nadine ist das strategische Herz von Lilox und Gründerin. In über 15 Jahren Digital Marketing war sie als Digital Officer und Head of Marketing bei der Hypo Tirol Bank, beim Startup Bots&People und beim Scale-up One Hiring. Sie verantwortete den E-Commerce Shop von Hartlauer und war als führende Expertin für digitalen Vertrieb bei Egger aktiv.

Klingt das nach eurer Ausgangslage?

Dann reden wir. Dreißig Minuten, in denen wir euch sagen, wo bei euch der Hebel liegt.